Röcke für Männer - nicht unmännlich

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Die ganz persönliche Geschichte oder...wie kam es zur Befreiung von den ungeschriebenen Gesellschaftszwängen

Vor einigen Jahrzehnten, als ich noch im Kindergarten war, wohnten wir in einem Vorort einer Stadt. Eigentlich hatten wir dort schon richtig städtische Verhältnisse. Um den kleinen Wohnblock herum hatten wir viel Platz zum Spielen. Ich hatte damals zwei Kollegen, mit denen ich besonders gerne spielte. Der eine hatte noch eine jüngere Schwester.

 
     
Im Sommer, wenn wir uns draussen auf einem Rasenplätzchen hinter dem kleinen Vorstadtblock tummelten, war ich schon echt neidisch auf die Schwester des Kollegen: Sie trug immer so leichte Faltenröckchen und ein Trägerhemdchen, luftig und leicht. Wir Knaben hatten damals wollene kurze Hosen, ich glaube sie waren schwarz, ein Shirt und schliesslich die Sandalen. (Bild zeigt eher Frühjarsoutfit oder Herbst!)  
     
So ein Faltenrock anstelle dieser juckenden Wollhose wäre ja schon toll gewesen, dachte ich immer; aber nein, das darfst du doch nicht, du bist doch ein Knabe, hätte man gesagt! Zieh gefälligst deine Hose an, tönte es immer aus Elternmunde. Das Mädchen vom Nachbarn strahlte immer in seinem leichten Faltenröckchen!  
     
Dies sind Eindrücke und Erinnerungen, die mir bis heute im Kopf geblieben sind: Ich bin also ein Knabe, eine männliche Person, ein Mensch, der von den ungeschriebenen Gesetzen der Gesellschaft in Sachen Kleiderwahl eingeschränkt ist! Denn schon bald einmal eroberten die Frauen die Hose und die ganze übrige Kleiderpalette! Der weiblichen Welt steht in Sachen Kleidung heute alles offen! (Betrachte die Vergrösserung des Bildes rechts genau!!!)  
     
Schau doch mal auf diese zwei Internetseiten (vom gleichen Anbieter!). Achte besonders bei den Damen auf:
- die Farbpalette
- Die Formvielfalt aller Kleider
- Die Auswahlmenge der Hosen!! (Eine vor eher kurzer Zeit eindeutige Männerdomaine!)
- Die Verschiedenartigekeit der Oberteile in Form, Farbe und Stoff.
   
   
     
Aber gehen wir doch noch einmal zurück in meine Jugendjahre. Ich wuchs also mit diesen Scheinzwängen in Bezug auf Mode heran. Immer wieder betrachtete ich im Sommer die leicht bekleideten Girls. Bald kamen die Miniröcke auf, die Bekleidung wurde also noch luftiger! Bei uns Knaben bzw, Herren blieb jedoch alles beim Alten! Das kann's ja nicht sein, dachte ich und probierte mal im stillen Kämmerlein einen Faltenrock an, nur ganz kurz, aber ich merkte trotzdem, was das für ein luftiges, herrliches Gefühl war! Da kamen mir auch noch die Schotten in den Sinn! Tja, Schotte sollte man sein, dachte ich! Ja vielleicht kommen ja diese Schottenröcke auch mal in die Herrenabteilung bei uns!  
     
Röcke sollte man(n) tragen können! Nun, ich wollte bestimmt nicht ein Mädchen sein, nein keinesfalls, aber wieso sollten Knaben nicht auch Röcke tragen dürfen? Diese Frage beschäftigte mich jahrelang !  
     
Eines Tages, es war ungefähr in den 70iger oder 80iger Jahren, war im Blick (Boulevardzeitung!) ein Bericht über eine Modenshow in Paris. Dort wurden Männer in Röcken (Schottenstil, Faltenröcke) über den Laufsteg geschickt. In der Zeitung war damals ein Bild. Super, dachte ich, jetzt kommts!
Aber nein, nichts geschah. Wahrscheinlich soll der Mann für ewige Zeiten in der Doppelröhre bei 30°C schmoren!
Etwas später, so in den 90igern, bot H&M etwa zwei Rockmodelle für Männer an! Es war ein langer Wickelrock dabei! Den kaufte ich mir: Das war mein erster Männerrock!
H&M verkaufte sehr viele solche Röcke, aber trotzdem sah ich auf der Strasse praktisch nie einen Mann im Rockoutfit umherlaufen! Das war aber bitter!
 
    Männerröcke
Glücklicherweise bekam ich dann 1999 einen Internetanschluss! Ahhh, endlich! Ich suchte sofort nach Männerrockseiten.....und siehe da, es gab jede Menge davon. Eine Seite interessierte mich besonders: www.maennerrock.de . Da fand ich auch ein Forum, wo ich begann, Texte hineinzuschreiben. Ich war also nicht allein mit meinem Wunsch, die triste Männermode mit Röcken etwas aufzufrischen und den Rock in meine Garderobe zu bringen. Wieso eigentlich nicht? Frauen tragen ja auch alles und da sollte ich als Mann auf dieses bequeme, luftige Kleidungsstück verzichten, nur weil die Gesellschaft den Mann mit einem Scheinzwang in die Hosen zwängt?? Nee, nicht mit mir....und ich war ja nicht allein mit meiner Idee!    
     
Bald einmal wurde ich freundlich in die emanziperte Männerwelt der Röckträger aufgenommen. An einem Treffen in Zürich (2000) konnte ich dann so richtig "loslassen". Ich fuhr zwar noch in kurzen Hosen hin, merkte aber bald, dass ich da in falscher Gesellschaft war. Sofort zog ich mich um und spazierte bald einmal im langen, schwarzen Rock mit meinen "Rockkollegen" durch Zürich. Wie bequem, wie luftig!! Nie mehr möchte ich dieses Kleidungsstück loswerden. Meine Hosen hätte ich damals am liebsten verbrannt. Aber......  
     
...da war doch noch ein Problem: Der Alltag kehrte zurück. Die Arbeit begann wieder. Also Röcke ade! Oder doch nicht? Ja schliesslich war das mit Männerröcken noch nicht überall bekannt, vor allem nicht auf dem Lande. Also zur Arbeit getraute ich mich nicht im Rock. In der Freizeit für ich halt mit dem Auto in einen anderen Ort. Das klappte. So alleine im Rock war schon etwas anderes als in der Gruppe in Zürich. Das komische Gefühl im Bauch...und...tja...eben, wie das so ist mit den Gesellschaftsklischees!  
Als Mann einen Rock zu tragen, ist nicht mutig, sondern männlich.
   

Doch es geschah etwas Wunderbares. Da ich schon immer sehr viele Leserbriefe an verschiedene Zeitungen schrieb, wurde ich im Dezember 2000 von einer Boulevardzeitung eingeladen, von mir ein Portrait zu machen. Das war mir sehr willkommen. Ich wurde zweimal im Rock sehr gross abgebildet. Dazu wurde ein echt guter Text gedruckt. Das eine Bild hing dann schon bald einmal im am Anschlagbrett am Arbeitsort. So wurde ich bekannt als Rockträger! Ich konnte von nun an auch in Röcken arbeiten gehen. Anfänglich schauten mich viele Kinder sehr misstrauisch an und dachten wohl das gleiche, wie viele Erwachsene eben dummerweise auch denken: Der ist wohl vom anderen Ufer...bei dem tickts nicht richtig....der will eine Frau sein. Doch diese doofen, unbegründeten gesellschaftlichen Klischees verschwanden bald einmal. Schliesslich war ich ja verheiratet, habe zwei Kinder und und bin seit 2006 wieder verheiratet.

 

Schon komisch: Frauen kleiden sich nach Lust und Laune, mal Hose mal Rock. Sie haben sich sämtlicher männlichen Garderobe bemächtigt (sogar die Krawatte!!!!), aber da spricht niemand von abartig oder lesbisch!

 

 
Vor ein paar Jahren interessierte sich das Schweizer Fernsehen SF 1 für das Thema: Männer in Röcken. Ich wurde am Arbeitsplatz, beim Einkaufen und zu Hause gefilmt. Ein ca 5minütiger Beitrag wurde mittags und abends ausgestrahlt.
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Im Mai 2005 wurden Martin (ein Rockträger) und ich von einem Privatsender (U1 Schlieren ZH) in einer 1stündigen Livesendung über das Rocktragen befargt. Dabei wurden Aufnahmen von einem Treffen in Zürich eingeblendet. Dort besuchte uns auch Robert Landinger , ein Männerrockdesigner aus München mit einer tollen Männerrockkollektion! Super!
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Also: Ich fühlte mich jedenfalls nicht mehr so ganz allein, wie in meinen Anfängen beim Rocktragen! Im Gegenteil! Verfolgt man die Fashionnews im Internet oder TV werden von verschiedenen weltbekannten Designern Rocke für den Mann auf dem Laufsteg gezeigt. Für 2006 wird an allen Modeshows der Mann im Rock propagiert. Das muss einfach kommen.

   
     
Vivienne Westwood, Jean Paul Gaultier, lassen schon seit Jahren Männer in Röcken über den Laufsteg!
Hier noch eine Seite, wo du dich ein bisschen über alternative Männermode orientieren Kannst!(Werde diese Seite immer aktualisieren!)
   
     

Bis jetzt sind zwar die Röcke noch nicht in den Läden gelandet, aber, was noch nicht ist, kann noch werden. Die Designerröcke sind ja auch viel zu teuer und zum Teil nicht für den Alltag, wenigsten die früheren Modelle. Wenn man aber die Männerröcke für 2006 anschaut, könnte da schon eher etwas Brauchbares dabei sein. Freuen wir uns !!

   

 

Ich bin, was ich bin. Ich kann nichts dafür, wenn die Leute etwas anderes denken.

   

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